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16.12.2019 16:15 Alter: 39 days

DREIGLIEDERUNG IN DER PRAXIS |

Rudolf Steiners Sozialimpuls im Osten Europas


Vor gut einem Jahr haben sich auf Initiative der deutschen und österreichischen Landesgesellschaft die Generalsekretäre und Landesvertreter aus Osteuropa ein Wochenende in Wien getroffen. Anliegen war die Frage: 100 Jahre Dreigliederung – Wie lebt Rudolf Steiners Sozialimpuls heute im Osten Europas? Bei all den Dreigliederungs-Jubiläumsveranstaltungen hat uns das interessiert, was wir sonst weniger im Blick haben: Die reale Situation im Osten. Was lebt da? Welche Initiativen gibt es auf diesem Feld? Wie wird das „Sozial-Impuls-Anliegen“ Steiners dort aufgefasst? Anders als bei uns? Verstehen wir uns gegenseitig in diesem Vorgang? Was können wir voneinander lernen? Geplant wurde ein Dreigliederungs-Ost-Kolloquium in Budapest. Aufgabe: Jeder lädt persönlich einige Menschen ein, die auf diesem Felde in ihrem Land tätig sind.

 

Vom 26. bis zum 27. November dieses Jahrs machten sich dann ca. 35 eingeladene TeilnehmerInnen nach Budapest ins dortige Rudolf-Steiner-Haus zu dem Kolloquium auf. Diese kamen aus Polen, Tschechin, Ungarn, Slowakei, Kroatien, Georgien, Rumänien, Russland, Österreich, Serbien und Deutschland. Von der AGiD waren Alex Thiersch, Angelika Sandtmann und Michael Schmock anwesend, von der Sektion für Sozialwissenschaft in Dornach Gerald Häfner. Peter Takats aus Ungarn war Gastgeber. Es gab Berichte aus allen Ländern. Auffällig war für mich zunächst, dass die Initiativen auf diesem Felde in den Ländern sehr vereinzelt sind und zumeist mit der Gründung konkreter Organisationen wie Waldorfschulen, Kindergärten und Landwirtschaft verbunden sind. Es gibt selten Arbeitsgruppen und keine überregionalen, dreigliederungsspezifischen Vernetzungen. In Ungarn z.B. erfolgte mit ca. 100 Schulgründungen ein „Waldorf-Boom“, in Serbien kleine Kindergarten-Initiativen und in Georgien sprach ein Unternehmer von seinen Assoziations-Bemühungen. Gerade deswegen waren die TeilnehmerInnen sehr dankbar für dieses Treffen, weil erstmalig ein Austausch über die Projekt-Grenzen hinweg stattfand. Für uns aus Deutschland mit Netzwerk-Dreigliederung, Achberg usw. ein „Perspektiven-Wechsel“ in eine andere Welt.

 

Gerald Häfner hielt am Samstagabend einen auch öffentlich angekündigten Vortrag über Rudolf Steiners Sozialimpuls und bezog sich im Wesentlichen auf die Spaltung Europas in Ost und West zwischen Kommunismus und Kapitalismus, sowie der Frage einer Verbindung der Gestaltungsqualitäten „Brüderlichkeit“ und „Freiheit“ durch die einzelnen, konkreten Menschen. Dieser Überblick aus der „Vogelperspektive“ wurde dankbar angenommen. Im Ergebnis entstanden der dringende Wunsch, diese Zusammenarbeit und gegenseitige Wahrnehmung und Unterstützung im Sinne von „Mut-Machen“ fortzusetzen und perspektivisch auch mit den Vorhaben von Deutschland (Kongress-Festival Soziale Zukunft 2020) und Österreich (geplanter Ost-West-Kongress 2022) zu verbinden. Das nächste Treffen wird Ende Februar in Bratislava stattfinden. Die AGiD fördert diese Treffen aus ihren „Ost-Fonds“.

 

Text und Bild: Michael Schmock