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15.11.2019 17:25 Alter: 23 days

IRRITATION ÜBER "STEINER STUDIES" |

Auszug aus dem Schreiben von 20 Mitgliedern des Zweigs Anthroposophische Gesellschaft Dresden und eine Antwort des Arbeitskollegiums


In der Michaeli-Ausgabe der Vierteljahresschrift „Anthroposophie“ erschien eine Ankündigung der „Steiner Studies“, einer internationalen Zeitschrift für kritische Steiner-Forschung, herausgegeben von Christian Clement und Hartmut Traub, die bei mehreren Leser*innen Irritationen hervorgerufen hat. Die „Anthroposophie“-Redakteure Jost Schieren und Wolf-Ulrich Klünker wirken in dem interdisziplinär besetzten wissenschaftlichen Beirat der neuen Zeitschrift mit, dem u.a. auch Helmut Zander angehört. Es sei unvereinbar, so die Auffassung einiger Leser*innen, in einer „wissenschaftlichen Gesinnungsgemeinschaft“ mit Gegner*innen Rudolf Steiners und zugleich in der Redaktion einer anthroposophischen Mitgliederzeitschrift tätig zu sein. Uns erreichten einzelne Zuschriften mit der Forderung, Herrn Schieren und Herrn Klünker als Redakteure der „Anthroposophie“ zu entlassen.

 

Im Folgenden geben wir Auszüge aus einem Schreiben von Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft Zweig Dresden sowie unsere Antwort darauf wieder. In der Weihnachtsausgabe der „Anthroposophie“ werden u.a. auch die Stellungnahmen der beiden Redakteure zu lesen sein.

 

Auszug aus dem Schreiben von 20 Mitgliedern des Zweigs Anthroposophische Gesellschaft Dresden:

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist ein besonderer Kunstgriff ahrimanischer Geistigkeit, in einer schwebenden Fragesituation statt klärender Erhellung immer mehr Nebel zu verbreiten, um bestimmte einmal gesetzte Impulse zunächst zu verschleiern und sie letztlich doch durchzusetzen. – Es geht um die Wissenschaftsfrage der Anthroposophie. […] Und jetzt rollt die 2. Welle heran, wobei durch Menschen, deren Gegnerschaft zur Anthroposophie und zu Rudolf Steiner schon klar erkannt wurde, die Wissenschaftsfrage der Anthroposophie bearbeitet werden soll: das heißt es geht jetzt darum, Gegnerimpulse innerhalb der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung durchzusetzen und zu installieren. Wir unterstützen die Forderung Friedwart Husemanns, Jost Schieren und Wolf U. Klünker als Redakteure der Zeitschrift „Anthroposophie“ zu entlassen. […]

 

 

Unser Antwortschreiben: 

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben Ihren Brief zu dem Artikel „Steiner Studies“ in der Zeitschrift „Anthroposophie“ erhalten und versuchen, mit unserer Antwort zu einer klärenden Erhellung beizutragen.

 

Die Anthroposophische Gesellschaft hat keinerlei Zugriff darauf, wenn andere Menschen aus dem außeranthroposophischen Umfeld Schriften über Rudolf Steiner und die Anthroposophie veröffentlichen. So ist es auch mit dem Vorhaben von Christian Clement und Hartmut Traub zu einer internationalen Zeitschrift für kritische Steiner-Forschung. Die „Steiner Studies“ wurden von der AGiD weder veranlasst noch beauftragt, sondern sind eine von ihr völlig unabhängige Initiative der genannten Herausgeber. „Kritische“ Steiner-Forschung besagt dabei übrigens etwas anderes, als es im alltäglichen Sprachgebrauch üblich ist: „Kritik“ bzw. „kritisch“ ist ein terminus technicus im wissenschaftlichen Zusammenhang für eine Methode des Hinterfragens, auf-den-Grund-Gehens und bedeutet nicht, dass eine von vornherein negative Haltung eingenommen wird.

 

Wie in einer wissenschaftlichen Zeitschrift üblich, wird versucht, den Beirat international und fachlich möglichst breit gefächert aufzustellen. Intendiert ist hier divergente Vielfalt, gerade nicht eine „Gesinnungsgemeinschaft“, wie es Friedwart Husemann formuliert hat. Für diesen wissenschaftlichen Beirat hat Christian Clement auch Wolf-Ulrich Klünker und Jost Schieren zur Mitarbeit eingeladen. Wenn beide diese Einladung angenommen haben, bekunden sie ihre Bereitschaft zur Erkenntnisauseinandersetzung, mehr aber auch nicht. Was sie im Einzelnen zur Mitarbeit bewogen hat, beschreiben sie in ihrer Korrespondenz mit Karl-Reinhard Kummer, die in der nächsten Ausgabe der „Anthroposophie“ veröffentlicht wird. Wir teilen mit ihnen die Einschätzung, dass das wissenschaftliche Gespräch über Anthroposophie nicht Außenstehenden überlassen werden sollte und begrüßen es, dass sich Herr Schieren und Herr Klünker der Herausforderung einer Mitarbeit stellen. Der fatalen Trennung von Wissenschaft und Esoterik entgegenzuwirken, setzt die Bereitschaft voraus, mit Andersdenkenden ins Gespräch zu gehen.

 

Ungeschickt und missverständlich war, in welcher Weise die Information über die neue Zeitschrift „Steiner Studies“ in der „Anthroposophie“ bekanntgegeben wurde. Besser wäre es gewesen, nicht den Aufruf von Christian Clement, sondern eine redaktionell verfasste Nachricht dazu abzudrucken. Wir verwahren uns aber dagegen, daran eine ‚Personaldebatte‘ zu entfachen.

 

Angelika Sandtmann

Für das Arbeitskollegium der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland