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14.09.2019 11:14 Alter: 30 days

»BAUSTELLE AGiD«|

Interview mit Michael Schmock


Lydia Roknic: Du hast in den letzten Jahren sehr viel Engagement in den Zukunftsprozess der AG gegeben. Zeichnen sich nach drei Jahren bestimmte Schwerpunkte ab?

 

Michael Schmock: Ja, das war und ist ein zentrales Anliegen. Neben den Perspektiven, die sich mehr auf die Zweig- und Gruppenarbeit, auf die Jugendzusammenarbeit und auf die Öffentlichkeitsarbeit richten, scheint mir, dass sich zwei „Kern-Baustellen“ herauskristallisieren: Die eine bezieht sich auf die Entwicklung der Hochschule (Allgemeine Sektion) und die andere ist das aktive Verhältnis zu den Lebens- und Praxisfeldern der anthroposophischen Bewegung als Ganzes. Die Fragen zur Hochschulgestaltung beziehen sich einerseits auf die konkreten „Angebote“ (Klassenstunden, Seminare, Üb-Felder) und andererseits auf die gegenwärtigen und zukünftigen Formen der Hochschule (Mitgliedschaft, Umgang mit den „Mantren“, offene, individualisierte Hochschule). Inzwischen sind hier einige Schritte versucht worden, die sich auf ein Gespräch mit den sog. individualisierten, freien Gruppen beziehen, aber auch in Bezug auf Hochschultagungen, die nicht eine Mitgliedschaft voraussetzen (blaue Karte), sondern sich an alle Interessierten wenden. Ziel ist es, die Wirkens-Weise der „Freien Hochschule“ in der gegenwärtigen Zeit weiterzuentwickeln. In Dornach wird derzeit die Leitung der Allgemeinen Sektion neu überlegt. Hier zeichnet sich ab, dass es nicht nur eine Person als Sektionsleitung gibt, sondern drei. Das scheint mir den erweiterten Aufgaben gerecht zu werden.

 

 

 

Lydia Roknic: Und in Bezug auf die Zusammenarbeit mit den Lebensfeldern?

 

 

Michael Schmock: Hier geht es darum, dass sich ein Organ entwickelt, das die Anthroposophie als Ganzes repräsentiert und in einen lebendigen Zusammenhang bringt. Wir haben vor 3 Jahren das Organ „Allianz der anthroposophischen Verbände und überregionalen Organisationen“ initiiert. In dieser Allianz treffen sich Verantwortliche aus allen Verbänden (Bund der Waldorfschulen, Kindergartenvereinigung, Freunde der Erziehungskunst, Anthropoi, Altenwerke, Mediziner*innen, Anthroposophische Gesellschaft, aber auch die GLS-Bank, Info 3 und viele andere). Jetzt aktuell ist auch die Christengemeinschaft vertreten. Dieses Organ ist ein Austausch über die „Lage“ der Anthroposophie in der gegenwärtigen Zeit, aber auch über gemeinsame Aufgaben. Letztlich ist die Kongressinitiative „Soziale Zukunft“ ein „Kind“ dieser Allianz. Mir scheint, dass hier ein wesentlicher Schritt stattfindet, der auch die AG als Ganzes verändert und erweitert.

 

 

Lydia Roknic: Wie sehen die aktuellen Vorhaben der AGiD in den nächsten Monaten aus? Welche wichtigen Ereignisse stehen an?

 

 

Michael Schmock: Auf der einen Seite arbeiten wir an dem Riesenprojekt „Kongress-Festival Soziale Zukunft 2020“. Hier geht es ganz um die Zusammenarbeit der AGiD mit den Lebensfeldern und darüber hinaus auch mit sonstigen Organisationen der Zivilgesellschaft. Wenn es gut geht, hat dieser Kongress „Signalwirkung“: Die AG stellt sich in die gesamtgesellschaftlichen Fragen der Gegenwart und beteiligt sich aktiv an deren Lösungen. Man muss sich vorstellen, dass hier bereits ca. 15 Menschen Teilzeit involviert sind. Das werden dann bis Frühjahr 2020 mind. 100 Menschen sein. Es werden bis dahin 50 Konferenzen stattfinden und 200 Einzelgespräche und Kleingruppen tagen. Also eine „Mammutaufgabe“. Die AGiD und die anthroposophischen Verbände investieren ca. 200.000 Euro. Hinzu kommen noch mal so viel durch Stiftungen und Unternehmen. Wenn das Projekt gelingt, hat es Strahlkraft in die Zukunft. Wenn nicht, haben wir ein Problem. Es gehört viel Mut dazu, einen solchen Versuch zu starten. Für mich auch ein michaelisches „Kraft-Werk“ für eine menschlichere und nachhaltigere Gesellschaft. Im Juni 2020 werden wir sehen, was passiert.

 

Im Bezug auf die „Erweiterte Hochschule“ fand im Februar die erste offene Hochschultagung statt. Für den 7. März 2020 geht die Einladung an die „Freien Gruppen“, nach Kassel zu kommen. Vorher, im November (23.-24.11.19) werden alle interessierten jüngeren Menschen zu einer offenen Hochschultagung nach Witten-Annen eingeladen. In dem Themen-Zusammenhang werden zurzeit auch die sog. „Erweiterten Vorstandssitzungen“ der AGiD geführt. Am 14. November geht es um die spirituell übende und lernende Gesellschaft. Ende November haben wir gemeinsam mit den „übersinnlich-wahrnehmend-tätigen Menschen“ zu einem großen Kolloquium nach Stuttgart eingeladen, in dem es um die verschiedenen Methoden der übersinnlichen Wahrnehmung geht. Hier werden ca. 60 Menschen aus diesem Feld teilnehmen. Im Weiteren geht es im Dezember um ein Treffen mit den „Karma-Forschern“ bezüglich einer „Karma-MGV-Tagung“ der AGiD im Jahr 2021. Das alles geschieht mit dem Anliegen, die Hochschule und die damit verbundene Geistesforschung weiter zu entwickeln und umfassender „in die Welt zu stellen“.

 

Lydia Roknic: Wie geht es Dir mit all diesen Initiativen?

 

Michael Schmock: Die Kernaufgabe ist es, eine Anthroposophische Gesellschaft im 21. Jahrhundert zu entwickeln. Das ist nach den ersten 100 Jahren, die einen ganz anderen Duktus hatten und haben mussten, jetzt ein neuer Schritt – für alle Menschen, die für die AG arbeiten, sich einsetzen, sie wichtig finden und ein „Herz“ für diesen Zusammenhang fassen. Ich bin – mit vielen anderen zusammen – mit diesem Impuls sehr verbunden. Neben aller Anstrengung und manchmal auch Rückschlägen, Unsicherheiten und sogar Verzweiflung merke ich, dass auch eine Kraftquelle neu entsteht, wenn etwas entfaltet werden kann, dass Hoffnung macht. Kurz gesagt: Die Zukunfts-Hoffnungs-Freude überwiegt. Also geht es mir gut.