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14.09.2019 10:59 Alter: 59 days

FRAUENRAT AZ FRANKFURT |

Geschlechtertrennung und ihre Folgen


Der Frauenrat des Arbeitszentrums Frankfurt traf sich am 17. August 2019 für einen Tag im Rudolf Steiner Haus Frankfurt. Die einzeln angemeldeten Beiträge fügten sich überraschenderweise zu einer Ganzheit zusammen. Wir befassten uns zuerst mit den Kinderbesprechungen der pädagogischen Konferenzen. Dieser Inhalt stand im Zusammenhang mit dem Thema „Gefühl”, das uns schon mehrere Sitzungen begleitet hatte. Eine Teilnehmerin, Dozentin der Lehrer*innenbildung, führte uns in den Aufbau der Charakterisierung eines Kindes ein. Sie orientierte sich dabei unter anderem an der Schrift von Anna Seydel: Ich bin du. Kindererkenntnis in pädagogischer Verantwortung (eine Publikation des Bundes der Freien Waldorfschulen, leider vergriffen). An einem Beispiel erkannten wir den Akt der Einfühlung wieder, um den wir schon öfter gerungen hatten. Es ist die Geste, bei der jemand die seelisch-geistigen „Bewegungen” eines Gegenübers aktiv mitvollziehen kann, als wären es die eigenen. Zunächst treten nach der Beschreibung des Kindes in den Zuhörenden naturgemäß Gefühlsreaktionen auf. Sie führen zur Einfühlung hin, müssen dann aber verlassen werden. Das Loslassen gelingt umso besser, je mehr die Gefühle präsent und wandelbar sind. Der Umgang damit zeigt sich bei Frauen und Männern deutlich verschieden.

 

Dazu passte der Bericht von zwei Rätinnen, die Michaela Glöckler zur Konstitution von Mann und Frau befragt hatten. Entscheidend ist die embryonale Zeit nach der sechsten Woche. Bis dahin sind beide Geschlechter veranlagt, dann werden die Ätherkräfte eines Geschlechts umgewandelt in Ätherkräfte, die das Denken gestalten (vgl. Vortragsnachschrift von Michaela Glöckler: „Die männliche und weibliche Konstitution”, leider auch vergriffen, Kopie beim Frauenrat erhältlich, info@arbeitszentrum-ffm.de). Von einigen neuen Aspekten, die später vorgestellt werden sollen, vorab dieses: die angebliche Aussage Rudolf Steiners, der Ätherleib der Frau sei männlich und der des Mannes weiblich, wird meist auf den gesamten Ätherleib bezogen. Die Umkehrung des physisch Geschlechtlichen im Ätherischen trifft hingegen vor allem auf den Ätherleib im Kopf- und Denkbereich zu.

 

Die Beziehung zwischen physischem Geschlecht und der Ausprägung des Denkens wurde in einer weiteren Einheit kulturgeschichtlich vertieft. Im Vortrag Steiners vom 23.10.1905 (für Frauen und Männer getrennt gehalten; wir haben die Version für Frauen behandelt) ist nach der Geschlechtertrennung die Rede von einer weiblichen und einer männlichen Geistigkeit, die sich in zwei Kulturströmungen aufgliedern und den Fortschritt der Menschheit unterschiedlich prägen. Viele Jahrtausende war die weibliche Strömung dominant, bis mit dem Aufkommen des selbständigen Denkens und Ich-Bewusstseins die männliche Geistigkeit die Führung bis heute übernahm. Spannend wurde es, als eine Rätin im Nachgang zu der Sitzung untersuchte, welche Bezeichnungen Rudolf Steiner für die Zustände vor, nach und im Übergang zu der Geschlechtertrennung verwendet. Das kann hier nur angedeutet werden.

 

So schlugen wir anhand der Unterschiedlichkeit der Geschlechter einen Bogen von Zeiten des „alten Mondes” bis zu aktuellen Themen der Waldorfpädagogik.

 

Text und Bild: Barbara Messmer

(Auf dem Bild sehen Sie: Nachbildungen, von links nach rechts: Venus von Willendorf (30.000 Jahre alt), weibliches Kykladenidol (bis 7.000 Jahre alt), Ikone als Triptychon)