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15.07.2019 18:31 Alter: 91 days

WERKSTATT SOZIALE DREIGLIEDERUNG |

Im Gespräch mit Michael Schmock und Matthias Niedermann über die Tagung und MGV


Vom 21. bis 23. Juni 2019 fand die diesjährige MGV der AGiD in der Freien Waldorfschule Kreuzberg in Berlin zum Thema Werkstatt Soziale Dreigliederung statt. Im Kontext des 100-jährigen Jubiläums von Rudolf Steiners Sozialimpuls versammelten sich 150-300 Personen. Die öffentliche Tagung wurde im Wesentlichen durch Arbeitsgruppen und mitgebrachte Fragen der Teilnehmer*innen gestaltet - ein besonderes Format, das Anlass zu Fragen gibt. Lydia Roknic befragt im Nachhinein zwei der verantwortlichen Initiatoren zum Ausgang der Tagung.

 

Warum war Euch das Thema Soziale Dreigliederung im Werkstattformat wichtig?

Michael Schmock: Der Umgang mit dem Thema Dreigliederung in der AG und in verschiedenen Initiativgruppen wurde bislang geprägt durch ideelle, systemische Diskussionen. Bei dieser Tagung war uns wichtig, dass die konkreten individuellen Fragen der Teilnehmer*innen im Vordergrund stehen. Deshalb wurden verschiedene Arbeitsgruppen und Initiativgespräche gestaltet. Die meisten Teilnehmer*innen hatten ihre Werkstattfrage schon vorab zugeschickt. Das besondere dieser Tagung lag in dem individuellen Austausch in verschiedensten Gruppierungen und in den begleitenden Vorträgen. Eine Gruppe von ehemaligen Schüler*innen hatte die Werkstattfragen überall im Gebäude sichtbar gemacht. Dreigliederung wurde hier verstanden als „Baustelle“ für ein kreatives, lebendiges Miteinander.

 

Hat die Tagung Eure Erwartungen erfüllt? 

Matthias Niedermann: Der Ansatz, in Gruppen werkstattartig zu arbeiten, war für viele Teilnehmer*innen ein gelungenes Experiment. Der Bogen von individuellen Zugängen und vortragsartigen Darstellungen hat sich gegenseitig getragen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass weniger Menschen diese Gelegenheit wahrgenommen haben als wir erwartet hatten. Vielleicht ist das Thema doch zu historisierend belegt. Wir hätten noch viel mehr konkrete praktische Ansätze oder fachliche Expertise sichtbar machen müssen.

 

Diesmal waren die Rechenschaftsberichte des Vorstands in Form von Interviews gestaltet – Hat sich das bewährt?

Matthias Niedermann: Erstmalig haben wir ein Format ausprobiert, in dem es nicht um eine Abfolge von Rechenschaftsberichten geht, denn Berichte tendieren immer zur Selbstdarstellung. Unser Anliegen war es durch persönliche Statements der Vorstände und konkrete Fragen wie „Wie bist Du mit deinem Aufgabenbereich umgegangen?“, „Wo bist Du wirklich weitergekommen? Und wo nicht?“ näher an das persönliche Engagement und die Herausforderungen ranzukommen. Ich habe den Eindruck, dass diese Art der Befragung zusätzlich zu den schriftlich vorliegenden Vorstandsberichten eine echte Bereicherung sein kann. So haben es die Teilnehmer*innen auch erlebt. Mein Wunsch wäre es, hier noch konkreter und direkter werden zu können.

 

Gab es markante Reaktion von den Teilnehmer*innen?

Michael Schmock: Die meisten Reaktionen bezogen sich auf das anregende und konstruktive Arbeitsklima. Überall wurde eine anerkennende unterstützende Haltung der Teilnehmer*innen zu den Vorgängen in der AGiD artikuliert. Immer wieder wurde aber auch gefragt, wieso eine solche Tagung nicht von 500 Menschen besucht wird. Man kann vielleicht sagen, dass nach wie vor dieses Thema nur von einer begrenzten Anzahl der Mitglieder wirklich gesehen wird. Die Diskrepanz zwischen individuellen sozialen Problemen und Aufgaben sowie gesellschaftlich relevanten Themen ist nach wie vor schwer zu überbrücken. Hier ist und bleibt eine Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft. Die gesellschaftlichen Verhältnisse werden zunehmend als Herausforderungen gesehen. Die individuellen Beiträge jedoch zu diesen Fragen werden nach wie vor als Privatsache gesehen. Was kann sich hier ändern? Ich würde mir wünschen, dass der Kongress Soziale Zukunft im nächsten Jahr eine weitere Perspektive dazu aufmacht.