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15.07.2019 18:19 Alter: 32 days

ELIANT-INITIATIVE |

Im Gespräch mit Michaela Glöckler über Medienerziehung, zivilgesellschaftliches Engagement und den "Michaelischen Zeitgeist"


Was ist für Dich das Besondere der ELIANT-Initiative? Was kann dadurch erreicht werden?

Es geht darum, sich f ü r und nicht gegen etwas einzusetzen. Wir wollen möglichst viele Menschen dafür sensibilisieren, dass die von Politik und Wirtschaft schnell und begeistert vorangetriebene Digitalisierung eine Zivilgesellschaft braucht, die weiß, was das für Kinder und Jugendliche bedeutet. Daher hoffen wir, eine „Bürgerbewegung für humane Bildung“ anzuregen, die sich für die gesunde Entwicklung der kommenden Generationen einsetzt. In Kindheit und Jugend braucht es bildschirmfreie Räume und die Möglichkeit selbständig denken zu lernen – ein Prozess, der bis zum 15., 16. Lebensjahr sorgfältiger Unterstützung bedarf. Auf unserer Website www.eliant.eu findet sich sehr viel lesenswerte Information zu unserem Engagement – und zu dem unserer Partner vom „Bündnis für humane Bildung“ http://www.aufwach-s-en.de/.

 

Warum ist es Dir wichtig, dass wir uns als Anthroposoph*innen politisch einbringen?

Weil Rudolf Steiner auf der Weihnachtstagung die Anthroposophische Gesellschaft als moderne NGO, d.h. als zivilgesellschaftlich aktive Nicht-Regierungs-Organisation begründet hat. So wenig Parteipolitik zu den Aufgaben der AG gehört, so intensiv ist sie mit ihren Lebensfelder-Aktivitäten zivilgesellschaftlich gefragt. Vor allem aber auf dem Feld der Landwirtschaft sowie der Erziehung und Selbsterziehung. Denn von deren Ausstrahlung werden die Gesundheit der Erde und der kommenden Generationen nach besten Kräften mit unterstützt. Was ist das Kernanliegen der gegenwärtigen Unterschriften-Kampagne? Wenn es uns gelingt einige Hunderttausend Unterschriften zu bekommen – ideal wäre eine Million – so macht das Eindruck! Dann können sich alle Eltern, Pädagog*innenen und Schuldirektor*innen darauf berufen, wenn sie in Kindergarten und Grundschulen auf die Digitalisierung des Unterrichts verzichten wollen. Denn jedes Land und jede Region haben ja zumeist ihre eigene Bildungspolitik. Die dafür geltenden Gesetzesgrundlagen haben aber meist viel mehr Spielräume als wahrgenommen werden. So gibt es z.B. in Deutschland nur Empfehlungen zur Digitalisierung und keine Zwangsvorschriften. Ich sehe unsere Aufgabe darin, aktiv die Spielräume für ein freies Geistesleben zu erhalten und wo immer möglich zu erweitern.

 

Was ist für Dich "Michaelischer Zeitgeist" und wie hängt Dein Engagement damit zusammen?

„Michael lebt nicht mit den Ursachen, sondern mit den Folgen der Menschentaten“ – dieser Ausspruch Rudolf Steiners ist mein Leitmotiv. Was auch immer an Problematischem geschehen sein mag oder geschieht – ich habe in jedem Augenblick die Freiheit, der Sache eine positive Wendung zu geben. Ich muss nicht re-agieren, ich kann immer agieren, so wie ich es verantworten kann. Nikolai Fuchs (der frühere Leiter der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum) und ich haben ELIANT (Europäische Allianz von Initiativen angewandter Anthroposophie) in dem Moment begründet, als wir erkannten, dass der ahrimanische Zeitgeist viele Helfer*innen hat und Michael dringend weitere braucht. Inzwischen sind wir positiv in Brüssel bekannt und konnten z.B. bei den EU-Empfehlungen zur Digitalisierung unsere Ideen einer altersentsprechenden Medienerziehung einbringen! Jetzt müssen wir aber auch weiter machen und sagen, was man darunter verstehen kann und dass dies auch heißen kann: gesunde Gehirnentwicklung zuerst – dann kompetenter Umgang mit den neuen Medien. Es freut uns sehr, dass der von ELIANT mit unterstützte Medienratgeber (Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt, ISBN 978-3-9820585-0-4) inzwischen schon in 11 Sprachen übersetzt wird.

 

Es fragte Michael Schmock. Es antwortete Michaela Glöckler