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15.06.2019 11:18 Alter: 121 days

KEIMEN UND WELKEN

Student*innen-Arbeitskreis zum anthroposophischen Schulungsweg


Vom 25. bis zum 26. Mai fand in Witten am Institut für Waldorfpädagogik das zweite Üb-Seminar zu "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" (GA 10) statt. 10 junge Menschen, teilweise noch im Studium und teilweise bereits im Berufsleben, kamen zusammen, um gemeinsam die Übungen aus "Wie erlangt man...?" auszuprobieren. Einzelne der Gruppe hatten sich im Voraus mit bestimmten Übungen genauer beschäftigt und leiteten während des Seminars diese abwechselnd an.

 

Die erste Übung bestand darin, beim Betrachten von aufkeimenden und absterbenden Pflanzen zu Empfindungen zu kommen, die entfernt vergleichbar seien mit solchen, die beim Miterleben des Sonnen- bzw. Mondaufgangs auftreten. In der zweiten Übung wurde das "innere Ohr" geschult: Man sollte versuchen, über den Laut oder Ruf eines Tieres etwas über dessen Innenleben zu erfahren, gewissermaßen in dessen Seele hineinzuhören. In einem zweiten Schritt sollte man im Gespräch mit einem anderen Menschen so selbstlos zuhören, dass dessen Innenleben wahrnehmbar wird. Als Drittes wurde geübt, beim Studium geisteswissenschaftlicher Texte in die darin enthaltenen Gedanken so einzudringen, dass diese als lebendig erlebt werden.

 

Auf anfängliche Weise bemühte sich jede*r Teilnehmende, solche ungewohnten Empfindungen in sich rege werden zu lassen. Obwohl die meisten durchaus meditative Erfahrungen mitbrachten, stellten sich die Übungen als sehr anspruchsvoll heraus. Was empfinde ich z.B. beim Gesang eines Buchfinken, was beim Ruf eines Schafes? Die Aufmerksamkeit wurde auf Seelenregungen gelenkt, die sehr flüchtig und zart sind. Mancher konnte nach einer Übung durchaus gewisse Empfindungen beschreiben. Am deutlichsten trat aber jedem und jeder das eigene Unvermögen entgegen. Uns, der Gruppe, wurde deutlich: Die Übungen fordern Seelenkräfte, die man im Alltag auf diese Weise kaum oder nie benutzt. Durch sie werden die entsprechenden seelischen Organe eben erst ausgebildet. Diese Erfahrung nahm uns nicht den Mut, sondern – ganz im Gegenteil - sie bestärkte uns darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Denn üben muss man schließlich nur, was man noch nicht kann.

 

Text und Bild: Marian Stackler