< PIONIERE UND UTOPISTEN DES WANDELS
15.02.2019 17:22 Alter: 96 days

ÖFFENTLICHES GESPRÄCH

Drei Fragen an Martin Schlüter zur bevorstehenden Hochschultagung


Im Rahmen von »Erkenntnis ist Teilnahme « als öffentliche Tagung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, welche vom 22. Bis 24. Februar im Rudolf-Steiner-Haust Stuttgart stattfindet, haben wir die Möglichkeit genutzt Martin Schlüter einige Fragen zu stellen. Erstmals wird zu einem öffentlichen Gespräch eingeladen. Es erschien mir ein mutiger und zugleich wichtige Schritt zu sein. eine Hochschultagung öffentlich, d.h. nicht auf Mitglieder beschränkt, auszurichten. Und Mut - das habe ich in letzter Zeit aus vieler Munde gehört und auch erfahren – das ist es, was es braucht um aus voller Eigenständigkeit in die Verantwortung zu treten und neue Wege zu gehen. Umso gespannter war ich nun auf die Einblicke und Hintergründe, die Martin Schlüter uns geben würde.

 

Warum öffentlich? Woher kommt die Idee und warum ist dieses Vorhaben wichtig?

Lange schon ist die Anthroposophische Bewegung sehr viel größer als die Anthroposophische Gesellschaft, man denke an die Waldorfkinderkindergärten, die Schulen, an die Arztpraxen, Krankenhäuser, die landwirtschaftlichen Betriebe und vieles mehr. Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, „das Herz und die Seele der Anthroposophischen Gesellschaft“ möchte mit der Tagung auch selbst in die Öffentlichkeit treten. Sie ist die einzige, auch rechtlich in der Gesellschaft verankerte anthroposophische Unternehmung, die sich in erster Linie die Pflege und Weiterentwicklung der Anthroposophie selbst zur Aufgabe gemacht hat. Wie sie dieser Aufgabe, gerade auch im Zusammenhang mit den o.g. Lebensfeldern nachkommt, soll auf der Tagung besprechbar, erlebbar werden.

 

Erkenntnis ist Teilnahme - was steht dahinter?

Die aktuelle wissenschaftliche Forschung huldigt in weiten Teilen nach wie vor dem Objektivitätsideal Francis Bacons (Novum Organum 1620), der aufgrund seiner Idolenlehre, mit Hilfe des Experiments, die wissenschaftliche Erkenntnis von subjektiven Bedingtheiten befreien wollte. Spätestens seit den Erkenntnissen der Quantenphysik in der Interpretation von Nils Bohr und Werner Heisenberg stellt sich jedoch die Aufgabe, Selbsterkenntnis mit Welterkenntnis zu verbinden. Das gelang R. Steiner auf besondere Weise etwa in der Mitte seines Lebens. Die reine sinnliche Erfahrung wandelte sich für ihn, wurde „Teilnahme an dem, was sich die Wesen und Vorgänge in der geistigen und physischen Welt zu sagen haben“ – Erkenntnis wird Teilnahme, wird Weltgeschehen und zugleich individuelles biografisches Ereignis. Das ist das Zentralmotiv der Tagung.

 

Welche Möglichkeit siehst Du in der Hochschule?

Eine unendliche Möglichkeit zur Menschwerdung des Menschen. Öffentlich, damit im gegenseitigen Wahrnehmen die Menschen sich in ihrem jeweiligen Streben finden können. Gelingt das, kann die Tagung zu einer Bestärkung und vielleicht zu neuen Verabredungen führen.

 

Martin Schlüter, Lydia Roknic

 

Die „Zitate“ stammen aus R. Steiner: Mein Lebensgang (GA 28), 22. Kapitel.